Pädagogischer Ansatz

BNE für kleine Kinder?

Die Welt - im wahrsten Sinne des Wortes - durch Kinderaugen zu sehen, muss schön sein. Alles ist so faszinierend, von der aufräumenden Ameise angefangen bis zur kunterbunten Zeitung im Briefkasten. Diese Umwelt wollen Kinder entdecken, sich selbst ausprobieren und über den Tellerrand schauen, was manch ein Elternteil und auch uns PädagogInnen fordert. Doch werden sie sich vom Weltentdecker auch zum Gestalter unserer Umwelt entwickeln? Welche Antworten werden sie auf die Fragen der Zukunft finden? Bleiben sie Zaungast oder stellen sie sich aktiv den Anforderungen von morgen? Vieles wird jeder für sich herausfinden müssen. Doch was können wir tun, um jedem einzelnen Kind das nötige Rüstzeug für seinen eigenen Weg mitzugeben? Wir können zusammen die Basis seiner Gestaltungskompetenz durch unseren pädagogischen Ansatz anlegen. Gemeint ist eine kindgerechte Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, die weit mehr als globale Themen und den Umweltschutz birgt. Sie ist der Schlüssel zu Wohlbefinden und eigener Stärke, um sich schließlich der Buntheit eines nachhaltigen Lebens zu widmen.

Pädagogische Haltung

Wohlwollend begleiten

Das A und O einer gelingenden Betreuung und Bildung ist eine annehmende Haltung – den ganzen Tag lang. Wichtig sind uns daher PädagogInnen, die ihren Job der Kinder wegen lieben und es leben. Eine Begrüßung wie z.B. „Schön, dass du da bist!“, kann die Atmosphäre täglich unterstreichen. Diese Haltung führt schließlich zu einer Gemeinschaft, der sich Kinder wie auch Eltern zugehörig fühlen. Sie alle dürfen sich einbringen, Fragen stellen, mitentscheiden und unsere Kita-Zukunft gestalten. Fühlen Sie sich herzlich eingeladen!

Pädagogische Handlungsfelder

Unser Kita-BNE

Riesengroß und mächtig? So könnten die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele des UNESCO-Weltaktionsprogramms auf Kinder wirken. Zudem haben die Kleinen noch wenig Zugang zur großen Welt und dessen Themen. Sie sehen eher die Blume am Wegesrand und deuten die kleinen Symbole auf Verpackungsmaterial. Vor diesem Hintergrund haben wir überlegt, wo wir BNE im kindlichen Alltag finden. Dazu haben wir folgenden Sechser der frühkindlichen BNE entwickelt, wobei die einzelnen Handlungsfelder miteinander in Verbindung stehen:

Selbstbezug

Bei uns darf die Welt erst klein sein und sich nur um das Kind selbst drehen. Dabei geht es um eine Art erste Selbstfindung durch Selbsterfahrung. Was braucht der kleine Körper gerade? Welche Gefühle zeigt das Kind? Kann es seine Wünsche erkennbar machen oder sich schon sprachlich ausdrücken? All das geschieht im eigenen Tempo des Kindes und wird durch neue Lebenseindrücke immer wieder hinterfragt. Mit diesem Update kann das kleine Kind Schritt für Schritt selbständiger werden und lernt schließlich für seine Bedürfnisse zu sorgen und für seine Meinung einzustehen. Es folgt dem Grundmuster vom Fühlen > über das Denken > zum Handeln und lernt aus erster Hand durch eigene Erfahrungen. Die ErzieherInnen sind dabei als empathische BegleiterInnen gefragt.

Sozialbezug

Nachhaltiges Lernen braucht Beziehung und Resonanz. Was heißt das für die Praxis? Als erstes sind ein „Ankommen“ in der Kita und ein guter Kontakt zur BezugserzieherIn notwendig. Von dieser Basis aus wird ein neues Kind offen für den spannenden Alltag gemeinsam mit den Kindern. Sie wollen nun ihr Erleben mit anderen teilen, sich einbringen und dazugehören. Kinder, die sich in ein „Wir“ eingebunden fühlen, ahmen Erwachsene sowie Kinder nach, erweitern dadurch ihr Verhaltensrepertoire und erproben im Spiel soziale Wertvorstellungen. Parallel dazu sind sie auf die Interaktion mit Erwachsenen angewiesen, damit sie das Verständnis über ihr Handeln erweitern können. So brauchen sie  achtsame, präsente ErzieherInnen, die wir sein wollen.

Lebensweltbezug

Alltagsgegenstände enthalten das Wissen der Welt. So müssen Neuan­kömm­linge dieser Welt diese Gegenstände erst einmal befragen, was sie sind und was sie kön­nen. Dies geschieht im Kleinkindalter unabhängig davon, ob die Wörter dafür schon zur Hand sind. Sie untersuchen, erproben, beobachten und vergleichen mit der Welt der Erwachsenen. Für ältere Kindergartenkinder sind die Fragen aus ihrer ureigenen Lebenswelt der Ausgangspunkt des Lernens. Was macht der Hausmeister dort in der Werkstatt? Wie wurde eigentlich die Gitarre der Erzieherin hergestellt? Können wir über den Bach eine Brücke bauen, um unsere Gießkannen besser befüllen zu können? Was passiert eigentlich mit unserem Kita-Müll? Hier heißt es: „Ohren gespitzt!“, denn hier lauert der Ansatz für nachhaltige Pädagogik. Ein Abtun mit „Dafür bist du noch zu klein!“ gilt heute nicht mehr.

Lebensräume

Wir lernen da, wo Leben stattfindet. Aber wo sind die Orte unseres Lebens? Welche Lieblingsorte haben zum Beispiel unsere Kinder? Wo arbeiten ihre Eltern? In welchen Gegenden und fernen Ländern lebten einst unsere Familien? Wo tummeln sich eigentlich die Fische aus unserem Kita-Aquarium und wo wächst in der Gegend am meisten Löwenzahn? Egal, welche Orte wir spannend finden, wir werden sie ausgehend von unserer Kita erkunden. Mit dabei sind kleine und größere Ausflüge in den Wald, auf den Bauernhof, an den Strand… oder einfach als „Fahrt ins Blaue“, so dass wir uns noch unbekannte Lebensräume entdecken können. Wir sind uns sicher, dass auch unsere ErzieherInnen sich auf diese Art von Entdeckungsreisen freuen.

Lebewesen

„Was krabbelt denn da?“ Wir alle kennen sicher das Phänomen, dass kleine Kinder Kleinsttiere oder eine noch nie gesehene Blume am Wegesrand viel eher wahrnehmen als wir Erwachsene. Sie haben noch den Blick für die kleinen Schönheiten des Lebens. Zudem tauchen sie durch ihr Spiel anders in die Umgebung ein und sind im wahrsten Sinne des Wortes näher dran. Wir werden diese Gabe unterstützen, indem wir die Naturzustände von Pflanzen in unserem eigenen Blumen-, Kräuter- und Gemüsegarten in den Fokus nehmen: Ruhen > Erwachen > Entfalten > Wachsen > Blühen > Fruchten > Reifen > Verwandeln. Außerdem können wir in kleinen Terrarien vorübergehend Kleinsttiere beobachten und ein großes Kaninchengehege auf der Streuobstwiese bauen. Alles ist möglich und darf sich entwickeln. Selbst große und in anderen Gebieten lebende Tiere und Pflanzen können wir in den Blick nehmen und ihre Situation erkunden. Wir freuen uns bereits auf neugierige Kinder und ErzieherInnen.

Nahrung

Ein sinnliches Vergnügen! Wir erblicken, riechen, schmecken und fühlen jeden Tag, wie lecker unser Essen sein kann. Dazu werden wir von unserem hauseigenen Koch nach all seinem Können verwöhnt. Doch darauf wollen wir uns nicht ausruhen. Auch wir werden gemeinsam mit den Kindern die Früchte unseres Gartens ernten und diese zu Speisen weiterverarbeiten. Auch das eigene Backen in den Kinderküchen steht hoch im Kurs. Über unser eigenes Leibeswohl hinaus werden wir uns damit beschäftigen, welche Nahrung die Lebewesen unserer Umgebung benötigen. Dazu gehören sowohl die Pflanzen und Tiere in unserer Kita als auch die heimischen Tiere am Wallensteingraben und am Mühlenteich. Es wird schön sein, sie alle wachsen zu sehen.

Methodik

Praktisch umgesetzt

Sie fragen sich: „Und wie soll das alles umgesetzt werden?“ Unsere Antwort ist ein übersichtlicher Dreiklang, der sich als roter Faden durch unser ganzes Haus zieht. Spielerisch gelernt wird sowohl drinnen als auch draußen im Garten sowie der Umgebung.

  • Schöpfungen der Kinder sind unsere Projekte. Sie werden innerhalb der einzelnen Kindergruppen den zentralen Platz einnehmen. Dazu werden die Themen der Kinder durch wachsame Augen und Ohren der ErzieherInnen sowie dokumentierte Beobachtungen von Spielsituationen aufgegriffen. Die inhaltliche Gestaltung der Projekte erfolgt selbstverständlich gemeinsam mit den Kindern. So sind die Länge und die Ergebnisse des Projekts anfangs völlig offen. Auch Eltern können sich in die Materialbeschaffung einbringen oder bei der Organisation unterstützen. Wir dürfen gespannt sein, welche Projekte bald an den Start gehen werden.
  • Kurz und gut sind unsere sogenannten Bildungsimpulse. Sie gehen unabhängig von Projektthemen von den ErzieherInnen aus. Gern können aber auch Kinder mit einer Spielidee oder einem Kreativangebot um die Ecke kommen, das aufgegriffen wird. 
  • Von oft unterschätztem Wert ist das freie Spiel. Hier setzen sich die Kinder mit den Erlebnissen und ihrem Alltag intensiv auseinander. Sie lernen in unvorhersehbaren Situationen und erproben wechselseitig ihre sozialen Wertvorstellungen. Um den Kindern räumliche Inspiration und Abwechslung ihrer Spielpartner zu ermöglichen, wird das freie Spiel bei uns drinnen und draußen gruppenübergreifend stattfinden.